22.11.09

John Irving und ich.

John Irving und mich verbindet ja eine recht spezielle Beziehung. Also, genaugenommen ist es eine recht einseitige Beziehung, weil John Irving höchstwahrscheinlich nicht einmal weiß, dass ich existiere. Also ist es wohl eher so, dass das, was ich mit John Irving habe, eine klassische Form der Hassliebe ist.
Ich mag John Irving für seine Bücher. Und ich hasse ihn auch für seine Bücher.
Er kann schreiben, und dann kann er es wieder nicht. Ich versuche mal, das zu verdeutlichen.
"Gottes Werk und Teufels Beitrag" ist ein ziemlich gutes Buch (mit einer im übrigen auch sehr gelungenen Verfilmung); meiner Meinung nach sein bestes. Was auch daran liegen könnte, dass John Irving da ausnahmsweise nicht ganz so arg, naja, er selber ist.
John Irvings Bücher haben nämlich alle etwas gemein. Das meiste Vieles sogar.
Er mag Bären, vorzugsweise akrobatisch erfahrene Bären (wobei das vielleicht nur ein Mittel zum Zweck ist - wilde Bären sind in Neuengland nicht ganz so zahlreich vertreten, also muss auf Importware zurückgegriffen werden). Und Neuengland. Und Ringen und Football. Und Wien, respektive die deutsche Sprache. Amsterdam. Inzest. Junge Männer, die Beziehungen zu charakterstarken, deutlich älteren Frauen haben. Religion. Schriftstellertum. Amputierte/verlorene Gliedmaßen. Und erwähnte ich schon diese unsäglichen Bären?
Während es durchaus normal und begrüßenswert ist, wenn Autoren Interessenschwerpunkte und Fachgebiete haben, hat John Irving leider kaum etwas anderes. Es ist mit ihm und den Bären (und dem ganzen anderen Zeug, siehe oben) ein bisschen wie mit Guido Knopp und dem Zweiten Weltkrieg.
Jedes. verdammte. Buch. dreht. sich. darum.
Man könnte sich beim Lesen eine Liste neben das Buch legen und abhaken: Bären? Check. Geschichten in der Geschichte? Check. Inzest und/oder Alte-Frau-mit-jungem-Burschen? Check. Neuengland? Selbstverständlich. Ringen? Oh yes, Sir. Simma in Wien? Ja, freilich. John Irving eine zimmern für diese ständige Redundanz? Mit Vergnügen.
Das Gemeine daran ist halt nur, dass er grundsätzlich schreiben kann. Und dass die Szenarien, die er sich so ausdenkt, durchaus gute sind (und die Klappentexte mich früher oder später auch rumkriegen). Dass die Handlungsstränge ausgesprochen vielschichtig und kein bisschen oberflächlich sind. Dass sein Humor und die Tragikomik und das Makabre ziemlich ansprechend sind.
Also wiederholt sich bei mir regelmäßig Folgendes. Ich suche ein neues Buch zum Lesen (oder das Internet ist kaputt, wie vorgestern, und ich beschließe, endlich mal "Hotel New Hampshire" zu gucken), stolpere dabei früher oder später über Irving und denke "Ach, vielleicht ist ja alles gar nicht so schlimm, vielleicht stört mich das alles jetzt weniger und vielleicht ist bei diesem Buch alles anders". Was es natürlich nicht ist. Natürlich nicht.
Ich lese, und hake gedanklich die Liste ab. Und würde John Irving gern jeden Bären einzeln aufbinden auf den Hals hetzen.

1 Kommentar:

der schtern hat gesagt…

Haha... *kenn