21.1.10

Hilf dir selbst, dann hilft dir... auch keiner.

Ich habe gerade einen ziemlichen Hass auf, uh, das System.
Auf die Tatsache, dass man sich Hilfe suchen will, aktiv Hilfe sucht und eigentlich immer wieder nur weggeschickt wird oder sich mit Leuten konfrontiert sieht, die ganz eigenartige Vorstellungen davon haben, was helfen bedeutet.
Ich suche seit geraumer Zeit schon nach einer Selbsthilfegruppe. Für was, ist einfach mal egal. Nun haben wir in Hannover die KIBIS, und auf den ersten Blick ist das eine wirklich dufte Sache. Alle Informationen auf einem Fleck, eine zentrale Anlaufstelle - super.

Oder auch nicht.
Zum einen, und da fängt es schon an, so richtig un-super zu werden, ist die Seite der KIBIS nicht immer auf dem aktuellsten Stand. Was mich in die unangenehme Situation brachte, dass ich jemanden wegen einer Gruppe anschrieb und eine Antwort erhielt, dass die Ansprechperson seit neun Monaten tot wäre und die Gruppe eh seit eineinhalb Jahren nicht mehr existiere. Danke!
Weiterhin - und ich gebe gerne zu, dass das nur teilweise der KIBIS selbst zuzuschreiben ist - kann so eine Selbsthilfegruppe natürlich heißen, wie die Teilnehmer das möchten. Das kann ganz hilfreich sein, wenn man zu Bekannten lieber sagen will, man besuche eine Gruppe für Objektwertschätzung, weil es einem zu unangenehm ist, zu sagen, dass man die Gruppe für Leute besucht, die nichts wegwerfen, weil sie fest daran glauben, dass auch ein Pizzakarton Gefühle hat. Aber wenn jemand nach einer Gruppe sucht, ist das einfach nur unglaublich nervig und unübersichtlich.
Dann gibt es scheinbar auch (für meinen Geschmack viel zu viele) Gruppen von Leuten, die sich hauptsächlich treffen, um über die bösen Ärzte und die geldgierigen Pharmafirmen zu schimpfen. Und vielleicht noch ein bisschen esoterisch daherkommen. Bitte, sollte eine Selbsthilfegruppe nicht dem differenzierten, produktiven Austausch dienen? Wenn ich mich nur selber bedauern will, kann ich das auch alleine tun. Und ich will mir auch sicher nicht fünf Kilo Bernstein umhängen, damit ich mich weiterentwickeln kann.
Weiterhin scheint die KIBIS auch so zum Notnagel schlechthin für alle faulen Ansprechpartner anderer Institutionen geworden zu sein. Ich habe mich bei der Uni erkundigt, ob es vielleicht eine hochschuleigene Gruppe für mein Anliegen gibt - die Antwort war, mich doch bitte an die KIBIS zu wenden.

Den berühmten Tropfen für das Fass habe ich dann heute in Form einer Emailantwort von einem Träger, der wohl zur AWO gehört, erhalten (nach übrigens gerade einmal fünf Werktagen. Nicht schlecht!): "Wir haben hier keine Selbsthilfegruppen, bei uns in der Beratungsstelle gibt es nur Gruppen für chronifizierte Patienten. Wie Sie wissen, gibt es noch KIBIS." Das war, von Anrede und Grußformel abgesehen, übrigens die komplette Mail. Als Antwort auf meine gezielte Frage nach Informationen zu Gruppen für Betroffene.
Nicht nur, dass ich praktisch keine Informationen erhalten habe oder man sich in Wortklauberei ergeht; mich stört vor allem, dass scheinbar einfach angenommen wurde, dass ich eh nicht chronifiziert bin und dementsprechend auch sicher keine Informationen zu diesen ominösen Gruppen benötige. Im Grunde steht da "Wir haben Gruppen, aber nicht für DICH, Kumpel". Nett. Und so... altruistisch. Menschenfreundlich.
Genau das, was jemand, der auf der Suche nach Hilfe ist, braucht.

Ich will nicht sagen, dass das Konzept KIBIS nichts taugt. Aber ich kann eben auch nicht sagen, dass es mir weiterhilft, weil ich trotz einer zentralen Anlaufstelle auf alternativen Wegen suchen muss, oder falsche Informationen bekomme, oder auch einfach gar keine. Und das kann es doch auch nicht sein.
Und ich glaube, jetzt suche ich mir eine Gruppe für Leute, die geschädigt sind von der Suche nach Selbsthilfegruppen.

Keine Kommentare: